Faust ist Universalgelehrter, der in den vier großen wissenschaftlichen Disziplinen seiner Zeit den Doktor gemacht hat: Philosophie, Theologie, Rechtswissenschaft und Medizin. Trotz dessen oder gerade deswegen fällt er in eine Erkenntniskrise, weil ihm die Wissenschaft keine Erfahrungen über einen höheren Sinn des Daseins ermöglichen kann und er wissen möchte “was die Welt im Innersten zusammen hält”. Sein Studierzimmer erscheint ihm daher wie ein Kerker, was die Einengung der Wissenschaft eines verpflichtenden Lebens symbolisieren soll. Faust erkennt, dass das theoretisch erlernbare Schulwissen begrenzt ist und sucht daher nach neuen Wegen der Erkenntnis um zu erfahren, was die Welt im Innersten zusammenhält. Sein Charakter ist davon geprägt nach der Erkenntnissuche über das rein rationale Verstehen hinauszugehen und alle Wege der Erkenntnis auszuprobieren. Dadurch löst sich Faust von jeglichem Materiellen Hab und Gut, Nöten und Sorgen, die ihm die Wissenschaft bereitet, was ihm erlaubt, sich ganz seinem Streben und Irren zu widmen, er gibt sich seinem Ideal hin. Er verkörpert damit das Ideal eine schöpferischen Genies, der sich selbst als “Ebenbild der Gottheit” sieht. Er versucht die Regeln der Menschheit zu durchbrechen und verhandelt dabei mit dem Teufel.
<aside> <img src="/icons/fire_orange.svg" alt="/icons/fire_orange.svg" width="40px" /> Sturm und Drang
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Faust ist damit eine typische Figur des Sturm und Drang:
→ er steht im ständigen Konflikt mit sich und seiner Umwelt
Konflikt von Faust
Er strebt nach der göttlichen Erkenntnis & er ist seinem Wunsch nach triebhafter Befriedigung ausgesetzt (zwei Seelenproblematik)
<aside> <img src="/icons/heart_red.svg" alt="/icons/heart_red.svg" width="40px" /> Melancholie
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Da die beiden Seelen nicht vereinbar sind, verfällt Faust in eine Melancholie und eine Art Depression, vielleicht sogar eine manische Depression. Er ist nahezu euphorisch und verzweifelt gleichzeitig, kann sich nicht wirklich entscheiden, was nun den Vorrang hat. Das macht ihn zu einer tragischen Gestalt, denn eine Verbindung von beiden Bedürfnissen ist schon im Vorhinein nicht möglich.
Hinzu kommt, dass Faust durch die Wissenschaft ein Defizit an sinnlichen Erlebnissen und Erfahrungen zu haben scheint, weswegen ihn den Drang nach Erkenntnis nicht loslässt. Aus diesem Grund wendet er sich der Magie zu, sucht Erlösung in der Natur und schließlich in den sinnlichen körperlichen Genüssen an Gretchen, die Mephisto ihm ermöglicht.
Trotz dessen bleibt er weltfremd gegenüber niedrigeren Gesellschaftsschichten, was deutlich wird, als er Gretchen “Fräulein” nennt und sich dem Treiben des Volkes in Auerbachs Keller entziehen möchte. Zum Teil bleibt er stummer Beobachter von außen, obwohl er die Nähe zu suchen scheint.
<aside> <img src="/icons/person-feminine_pink.svg" alt="/icons/person-feminine_pink.svg" width="40px" /> Gretchen
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Als Faust Margarete (später Gretchen, je nach Beziehungsstatus) trifft, wird die Ambivalenz, das Irren und die Unsicherheit noch deutlicher. Er schwankt zwischen aufrichtiger Liebe zu Gretchen und dem egoistischen Befriedigen seiner triebhaften Begehrung in körperlicher Form. Dabei stellt Faust sich Gretchen als das Idealbild einer Frau vor, dass durch den Zauberspiegel hervorgerufen wurde. Mephisto spielt dabei die entscheidende Rolle Faust nur zum Begehren der körperlichen Verführung zu bringen, als zu aufrichtiger Liebe.
<aside> <img src="/icons/no-entry_red.svg" alt="/icons/no-entry_red.svg" width="40px" /> Schuldfrage
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