Nacht
- in Szene “Nacht” berichtet Faust, dass er sein ganzes Leben an die Wissenschaft geglaubt habe
- er ist Universalgelehrter, der sich mit „Philosophie,/ Juristerei und Medizin,/ Und leider auch Theologie“ (V. 354ff.) beschäftigt hat
- er will wissen „was die Welt,/ Im Innersten zusammenhält“ (V. 382f.)
- daher kommt Faust zu dem Fazit:
„Bilde mir nicht ein was Rechts zu wissen,/ Bilde mir nicht ein ich könnte was lehren/ Die Menschen zu bessern und zu bekehren./ Auch hab ich weder Gut noch Geld,/ noch Ehr und Herrlichkeit der Welt;/ Es möchte kein Hund so länger leben!“ (V. 371-376)
→ Faust ist von der Wissenschaft und seinem Werdegang enttäuscht
→ sein Werdegang hat ihm nicht die ersehnte Erkenntnis gebracht
- Faust wacht mit Entsetzen auf (V. 1554) und schläft “ängstlich” (V. 1563) ein. Sein Studierzimmer beschreibt er als “Kerker” (V. 398) und “Mauerloch” (V. 399)
- daher sehnt er sich nach der Natur: „Statt der lebendigen Natur,/ Da Gott die Menschen schuf hinein,/ Umgibt in Rauch und Moder nur/ Dich Tiergeripp und Totenbein“ (V. 414-417).
→ er fühlt sich so, als müsse er “entbehren” und könne daher kein erfülltes Leben leben(V. 1549 → vermissen oder auf etwas verzichten)
→ Faust erklärt seine Verzweiflung: „Und so ist mir das Leben eine Last,/ Der Tod erwünscht, das Leben mir verhasst.“ (V. 1570f.).
Wagner, der junge naive Schüler von Faust
- der Schüler unterstreicht die Enttäuschung Faust → Wagner glaubt an die Wissenschaft und möchte alles wissen und er legt Wert darauf wahrgenommen zu werden. Außerdem lernt er bestimmten Disziplinen mit der Begründung: „Denn heutzutage wirkt das viel.“ (V. 525).
- Faust ist hingegen der Meinung, dass dies nicht wichtig sei: „Bewunderung von Kinder und Affen,/ Wenn euch darnach der Gaumen steht“ (V. 541f.).
→ Wagner ist motiviert für seine Studien
→ Faust wirkt dahingehend eher verloren und motivationslos
Fausts Weg aus der Motivationslosigkeit
→ er versucht sein Glück in der Natur (= Osterfeierlichkeiten)
- offensichtlich erfreut sich Faust an dem Frühling und der Feier: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein“ (V. 940)
- Faust ist von Eitelkeit und Ruhm und Ehre müde → Inmitten des einfachen Volkes, in der Natur, fühlt sich Faust am wohlsten
- Wagner hingegen hält von der Natur nicht all zu viel: „Weil ich ein Feind von allem Rohen bin.“ (V. 944), denn er lehnt die Natur und die Bräuche des einfachen Volkes ab: sieht diese als unwürdig
- als das Volk Faust erblickt, wird dieser als Held und Retter gefeiert, da er einst mit seinem Vater gegen die Pest als Mediziner gearbeitet hatte.
- Wagner beneidet ihn um den Ruhm und die Aufmerksamkeit
- Faust hingegen kritisiert sein und des Vaters Vorgehen in damaligen Zeiten; lehnt das Vorgehen sogar ab: „schlimmer als die Pest getobt“ (V. 1052)
- auf den Rechtfertigungsversuch von Wagner, Faust hätte alles richtig gemacht, bricht Faust das Gespräch ab: „O glücklich! Wer noch hoffen kann/ Aus diesem Meer des Irrtums aufzutauchen./ Was man nicht weiß das eben brauchte man,/ Und was man weiß kann man nicht brauchen.“ (V. 1064-1067).
Fausts Zerrissenheit - die zwei Seelen
- anschließend folgt eine lange Beschreibung von Fausts Umgebung, wobei er die Sehnsucht nach Freiheit äußert, die durch einen Vogelflug verwirklicht wird (V. 1070 - 1099)