Kategorischer Imperativ + Goldene Regel · einfach erklärt | Beispiele, Kritik
Um das Gute und Richtige geht es in der Ethik. Sie ist eine Teildisziplin der praktischen Philosophie und beschäftigt sich mit so lebensnahen Fragen wie: Was soll ich tun? Wie soll ich mich verhalten? Wie handele ich gut und richtig? Die Ethik ist die Wissenschaft der menschlichen Moral. Was ist Moral? Hier eine Definition auf Dietmar Hübers Einführung in die philosophische Ethik, gerade frisch neu aufgelegt:
Unter einer Moral versteht man ein Normensystem, dessen Gegenstand menschliches Verhalten ist und das einen Anspruch auf unbedingte Gültigkeit erhebt.Dietmar Hübner: Einführung in die philosophische Ethik (2021)
»Eine ›Moral‹ ist also eine Sammlung von Maßstäben, Werten, Urteilen, die sich auf menschliche Haltungen, Aktionen, Verrichtungen beziehen und hierin eine strikte, bedingungslose, unbeschränkte Verbindlichkeit geltend machen«, schreibt Hübner weiter. Nun, in dieser Sammlung nimmt der Kategorische Imperativ von Kant einen besonderen Platz ein – nicht als Werturteil an sich, sondern als eine Formel, anhand derer wir moralische Fragen mathematisch gesprochen einfach »ausrechnen« können.
Das Problem ist nur: Der gute Mann gilt als schwer zu verstehen. [One does not simply understand Kant.] Kant sei »nicht der am leichtesten zu lesende Philosoph«, das gab vor kurzem noch die britische Philosophin Onora O’Neill zu (in: Kant, Applied) und begründete es damit, »dass Kant selbst für preußische Verhältnisse des 18. Jahrhunderts als besonders formaler und pingeliger Denker bekannt war«, und das wolle schon was heißen.