Woyzecks Verdacht und Eifersucht

Die erste Regieanweisung beschreibt Woyzecks aufgewühlten und verwirrten Zustand „sieht sie starr an, schüttelt den Kopf“ (S. 20). Seine erste Äußerung ist sehr emotional und seine Erregung wird durch die Wortwiederholungen verdeutlicht: „Hm! Ich seh nichts, ich seh nichts. O, man müßt’s sehen, man müßt’s greifen könne mit Fäusten.“ (S. 20). Sein aggressives Auftreten deutet bereits an, dass ihn die Eifersucht völlig aus dem Konzept bringt. Marie ist „verschüchtert“ und versteckt ihre Lüge hinter dem Vorwand, er sei „hirnwüthig“ (S. 20).

Woyzeck, der sich bisher durch seine liebevolle Aufopferungsbereitschaft und den höflichen Umgang mit Marie ausgezeichnet hat, offenbart nun seine aggressive Seite, die durch die Eifersucht und den ständigen Stress im Arbeitsleben extrem angestachelt wird. Da seine Geliebte ihn aber anlügt und dies nicht zugibt, kann er nur seine Vermutung äußern, was er sehr vorwurfsvoll und heftig tut, als er die nachfolgenden religiösen Aspekte in seine verzweifelte Anklage einschließt: „Eine Sünde so dick und so breit. Es stinkt dass man die Engelchen zum Himmel hinaus rauche könnt. Du hast ein rothen Mund, Marie. Keine Blasen drauf? Adieu, Marie, du bist schön wie die Sünde – Kann die Todsünde so schön seyn?“. Die beiden Ausdrücke „Adieu“ und „Kann die Todsünde so schön sein?“ deuten schon auf den Mord an Marie voraus.

Noch einmal befindet sich Marie in der Defensive und weicht den Beschuldigungen aus. Sie meint, Woyzeck würde im Fieber reden. Sie zeigt mit ihrem Verhalten, dass sie nur ihr eigenes Wohlbefinden in den Vordergrund rückt und versucht, ihren Betrug zu verschleiern. Als Woyzeck noch direkter wird und sie fragt: „Teufel! – Hat er da gestande, so, so?“, antwortet sie nicht direkt, sondern rettet sich mit einer Sentenz in Ausflüchte: „Dieweil der Tag lang und die Welt alt ist, können viel Menschen an einem Platz stehn, einer nach dem andern“ (S. 20).

Woyzecks hat gleich indirekt den Tambourmajor metaphorisch als Teufel bezeichnet, nun behauptet er, er habe ihn gesehen. Wieder findet Marie durch eine Sentenz eine Ausrede: „Man kann viel sehn, wenn man 2 Auge hat und man nicht blind ist und die Sonn scheint.“ (S. 20). Woyzeck insistiert und formuliert elliptisch sein letztes Argument: „Mit diesen Augen!“ (S. 21). Marie antwortet keck: „Und wenn auch“ (S. 21).

Woyzeck hat ein Treffen zwischen dem Tambourmajor und Marie beobachtet und ahnt, dass sie ihn betrügt. In der kurzen Szene versucht er, eifersüchtig mehrmals seine Geliebte mit seinem Verdacht zu konfrontieren. Er möchte seine Vermutung von der Untreue Maries bestätigt wissen. Aber Marie streitet alles ab und erfindet jedes Mal eine neue Ausrede. Sie lässt sich nicht einschüchtern und will nicht diskutieren und nichts gestehen. Am Ende des Gespräches zweifelt der einfache Soldat immer noch an Maries Unschuld und bleibt hilflos zurück.