Aufgabe 1
Die am 05.01.1918 gehaltene Rede des britischen Premierministers David Lloyd George vor den Gewerkschaftsvertretern legt seinen Schwerpunkt in der Thematik des deutschen Angriffskrieges und einen möglichen Ausgang zur friedlichen Lösung der Konflikte.
Dabei lässt sich die Rede in grob fünf Sinnabschnitte einteilen, welche zum besseren Verständnis beschrieben werden sollen. Zunächst spricht George davon, dass England keinen Angriffskrieg führen würde und greift im Folgenden die Ziele von Großbritannien auf. Danach beschreibt er, dass auch in Zukunft eine Gefahr durch das Kaiserreich bestehen würde und daher die Demokratie als einziger überzeugender Beweis gelten würde. Abschließend spricht George von einer möglichen Veranstaltung zur Neuordnung der europäischen Ordnung.
Im ersten Teil seiner Rede betont George, dass Großbritannien keinen Angriffskrieg gegen das deutsche Volk führen würde. Die führenden Deutschen hätten den Deutschen eingeredet, dass diese sich in einem Verteidigungskrieg befinden würden, obwohl dies ausdrücklich nicht zutreffen würde. Es sei nie das Ziel von Großbritannien gewesen Deutschland zu zerschlagen oder zu vernichten. England hätte nur eingreifen müssen, weil sie sich selbst hätten verteidigen müssen, um die verletzte Rechtsordnung in Europa nicht untergehen zu lassen, seitdem Deutschland brutal in Belgien eingefallen sei. George betont, dass es für England nur zwei Möglichkeiten gegeben habe den Krieg zu beeinflussen: zum einen hätten sie entweder in den Krieg eintreten können oder aber zusehen müssen, wie Europa untergeht. Weiterführend erwähnt George, dass England niemals das Auseinanderbrechen der deutschen Völker im Sinn gehabt hätte, sie wollten Deutschland nur davon abbringen zu hoffen eine militärische Gewaltherrschaft zu errichten. Weiterhin ist George der Meinung, dass eine militärische, autokratische Verfassung im 20. Jahrhundert zur europäischen Gefahr werden könnte. Deswegen wolle er, dass Deutschland eine wirklich demokratische Verfassung aufsetzt, wobei dies als überzeugendster Beweis gelte, dass in Deutschland das alte Gedankengut einer brutalen Gewaltherrschaft beseitigt sei. Dies würde die Tatsache erleichtern mit Deutschland einen demokratischen Frieden zu schließen, aber dies könne nur das deutsche Volk selber entscheiden. Zuletzt fordert er die neue Organisation des neuen Europas, wobei die Überlegungen zur Neuorganisation auf Vernunft und Gerechtigkeit basieren müssten. Deshalb sei es im Kontext des Krieges hinsichtlich der territorialen Fragen unabdingbar, dass sich die Regierungen die Legitimation der Betroffenen einholten.
Aufgabe 2
- Versailler Vertrag tritt am 10.01.1920 in Kraft, also ca. zwei Jahre nach der gehaltenden Rede
- nachdem am 03.10.1918 die erste parlamentarische Regierung und einige Tage später am 09.11.1918 die Weimarer Republik ausgerufen wird, muss Deutschland am 11.11.1918 um 11:30 Uhr kapitulieren → der erste Weltkrieg ist verloren
- 19.01.1919: Wahl zur Nationalversammlung
- 06.02.1919: Zusammentritt
- 11.02.1919: Philipp Ebert wird Reichspräsident
- 31.07.1919: Verabschiedung der Verfassung → Eduard David : “Deutschland ist die demokratischste Demokratie der Welt.”
- 14.08.1918: die Weimarer Verfassung tritt in Kraft
- viele Deutsche haben Opfergefühle (Unrechtsgefühle) und die Demokratie haben die Soldaten kurz vor dem Sieg durch den Rücken erdolcht (Dolchstoßlegende)
- die “kaiserliche Verfassung Deutschlands” wurde durch den Kriegseintritt Englands im Gegensatz zu den Erwartungen der Ziele von George verändert und letztlich zerstört, da das Volk die Abdankung des Kaisers Wilhelm II. forderte, der kurz darauf auch aus Berlin floh
- tatsächlich errichtet sich durch die parlamentarische Demokratie der Weimarer Republik so etwas wie eine Scheindemokratie, zumindest sah man es zu jener Zeit so
- “Wir können nicht länger die Zukunft der europäischen Zivilisation von willkürlichen Entscheidungen einiger Diplomaten abhängig machen, die mit Tricks oder Überredung versuchen, die Interessen dieser oder jener Dynastie oder dieses oder jenes Staates durchzusetzen” → dies lässt sich ein Stück weit im Nachhinein widerlegen, denn:
- “einige Diplomaten”, d.h. die Siegermächte, trafen sich um ihre eignen Interessen durchzusetzen, ohne dass Deutschland daran teilnehmen konnte
- Ob die Regelungen jetzt vernünftig und gerecht sind, darüber lässt sich streiten. Viele Historiker gehen heute davon aus, dass der Versailler Vertrag ein Stück weit ein Wegbereiter für den zweiten Weltkrieg war. Dies ist mit Vorsicht zu genießen, da der Vertrag keineswegs ein direkter Auslöser für eine Revolution war. Aber dennoch verstärkte er das Unrechtsgefühl mit seinen harten Abstrafungen gegenüber Deutschland wie bspw. der alleinigen Kriegsschuld (Artikel 248) und den hohen Reparationszahlungen
- Zunächst schien der Vertrag Sicherheit und Gerechtigkeit anzustreben, aber ist es gerecht über den Kopf eines Landes hinweg zu entscheiden? Ist es gerecht, Deutschland als einzigen Schuldigen zu deklarieren? Bis heute gibt es dazu unzählige Thesen, die drei bekanntesten sind die Weltmachtpolitik, der Schlafwandler und der Präventivkrieg.
- “Stabilität” gab der Vertrag nicht wirklich viel → zunächst erholte sich vielleicht die militärische Situation, aber bereits in der Weimarer Republik rüstete man wieder auf. Außerdem blieb das Unrechtsgefühl und die fehlende Aufklärung ein fortlaufendes Problem. Durch die Krisen, vor allem im Jahr 1923, destabilisierte sich die Demokratie und galt zunehmend als Sündenbock für alle Probleme. Vor allem die NSDAP nutzte die Demokratie als Sündenbock und machte sie für alles verantwortlich
- die Folgen des Versailler Vertrages bzw. dessen Überwindung blieben bis zum zweiten Weltkrieg ein ständiger Streitpunkt