Die Erzählung „Mario und der Zauberer“ von Thomas Mann handelt vom Sommerurlaub einer deutschen Familie im von Mussolini regierten Italien, wo sich der Besuch einer Zaubervorstellung des charismatischen Unterhaltungskünstlers Cipolla zum Schreckensereignis entwickelt.
Eine deutsche Familie kommt Mitte August in dem italienischen Ort Torre di Venere am Tyrrhenischen Meer an, um hier ihren Urlaub zu verbringen. Es ist die Zeit der touristischen Hochsaison. Während des Aufenthalts im Grand Hôtel wird klar, dass die Familie nicht richtig erwünscht ist. Nach einigen unangenehmen Vorfällen wechselt die Familie zur Pensione Eleonora. Hier, im Haus der Signora Angiolieri, findet die Familie eine angenehmere Unterkunft.
Doch das Glücksgefühl eines schönen Urlaubs will sich nicht einstellen. Zwischen den Urlaubern am Strand herrscht eine angespannte Atmosphäre, und der Ich-Erzähler empfindet vor allem verwöhnte Kinder wie den 12-jährigen Fuggièro als anstrengend. Auch das Verhältnis zwischen den Kindern aus verschiedenen Ländern ist angespannt, was besonders durch den stark ausgeprägten Patriotismus der italienischen Kinder verursacht wird.
Als die 8- jährige Tochter der deutschen Familie ihren Badeanzug im Meer ausspült und sich dabei nackt am Strand zeigt, entsteht eine große Aufregung. Der Familie wird von entrüsteten italienischen Urlaubern gezeigt, dass dieses Verhalten als inakzeptabel empfunden wird. Es erfolgt eine Geldstrafe, nachdem die Behörden von dem Vorfall erfahren haben.
Die Familie bleibt aber trotzdem an dem Urlaubsort. Nach zweieinhalb Wochen setzt die Nachsaison ein. Die italienischen Urlauber reisen zu großen Teilen ab.
In diesen Tagen wird der Besuch eines Zauberkünstlers in dem Ort angekündigt. Der Cavaliere Cipolla gibt eines Abends eine Vorstellung im „Sala“, zu der die deutsche Familie geht. Die Kinder sind sehr erfreut und die Familie trifft bei der Veranstaltung auf viele bekannte Gesichter aus dem Urlaubsort, darunter auch das des Kellners Mario, der die Familie des Öfteren beim Cafébesuch bedient hat.
Mit Verspätung tritt der Zauberer Cipolla auf und amüsiert das Publikum durch seine altmodische Kleidung, seine seltsam-strenge Art und seine ungewöhnliche körperliche Erscheinung.
Cipolla schafft es, einen jungen Mann aus dem Publikum gegen dessen Willen dazu zu bringen, dem gesamten Saal die Zunge herauszustrecken und verspottet ihn des Weiteren, indem er ihn als Schönling darstellt. Durch seine meisterhafte Rhetorik zieht Cipolla das Publikum in seinen Bann.
Als zwei junge Männer aus dem Publikum bei einem Trick Cipollas nicht teilnehmen können, weil sie nicht schreiben können, tadelt Cipolla dies als Schande. Der junge Mann, der als erstes Opfer seines Spottes wurde, wird dadurch dazu provoziert, gegen Cipollas Äußerungen zu protestieren. Er ist kurz davor, gewalttätig gegen Cipolla vorzugehen, als dieser ihn auf mysteriöse Weise mit Worten dazu zwingt, starke körperliche Schmerzen zu empfinden und sich, wieder vor den Augen aller Anwesenden, zu krümmen.
Der Zauberer ist fähig, die Gedanken und den Willen der Leute zu manipulieren und zu steuern. Das wird bei den weiteren Programmpunkten, die arithmetische Übungen, Kartentricks und Gesellschaftsspiele umfassen, zunehmend klar. Je mehr man sich dagegen sträube, so behauptet Cipolla, desto besser könne er jemandes Willen beeinflussen. Auch scheint Cipolla die Vergangenheit der Menschen, mit denen er sich unterhält, zu kennen. Er erzählt zutreffende Anekdoten aus deren Leben und Geheimnisse.
In der Pause der Zaubervorstellung will der Erzähler mit seiner Frau und den beiden Kindern trotz des merkwürdigen Verlaufs des Abends nicht gehen – einerseits aufgrund des Bettelns der Kinder, aber andererseits auch, weil eine merkwürdige Faszination auch die Eltern weiterhin im Saal hält, obwohl sie sich nicht wirklich wohlfühlen.
Im zweiten Teil der Vorstellung werden Leute aus dem Publikum von Cipolla hypnotisiert und dadurch völlig unter sein Kommando gestellt. Die Vermieterin Frau Angiolieri zum Beispiel folgt Cipolla unter Hypnose. Sie scheint dorthin zu schweben, wohin er geht, obwohl ihr Mann nach ihr ruft und damit versucht, sie zurückzuhalten. Der Zauberer bringt auch einige junge Männer unter Hypnose zum Tanzen. Als ein Herr aus Rom den Zauberer herausfordert, indem er behauptet, ihn könne Cipolla nicht zum Tanzen zwingen, entsteht ein Machtkampf, den Cipolla gewinnt. Bald tanzen viele Leute aus dem Publikum mit und scheinen zufrieden zu sein.
Der nächste Kandidat des Zauberers ist schließlich der Kellner Mario. Ihn zieht Cipolla durch Gesten zu sich und spricht eindringlich mit ihm, wobei er dem jungen Mario schmeichelt und sich freundlich verhält. Er fragt nach seinem Zustand und deckt entgegen Marios Willen auf, dass dieser Liebeskummer wegen einer Frau namens Silvestra hat. Im Gespräch hypnotisiert Cipolla den Kellner und manipuliert ihn dazu zu glauben, er habe Silvestra vor sich und nicht Cipolla. Als Cipolla dann Mario dazu auffordert, ihn zu küssen, tut der junge Mann dies. Im nächsten Moment weckt Cipolla den Hypnotisierten mit einem Peitschenknall wieder auf und lacht ihn, gemeinsam mit den anderen Leuten, aus. Daraufhin zieht Mario eine Waffe und tötet Cipolla mit zwei Schüssen. Der Erzähler verlässt nun endlich den Saal und empfindet sowohl Erschrecken als auch Erleichterung über den Tod Cipollas.
Thomas Mann zeichnet in dieser Erzählung ein nachempfindbares Bild Italiens zur Zeit des Faschismus aus der Sicht des ausländischen Urlaubers. Durch die Figur des Zauberers Cipolla wird in düsterem, aber mitreißendem Stil die faszinierende, hypnotische Wirkung einer Führerfigur geschildert.