Inhaltsangabe:
Die Thematik der Religion zieht sich durch das ganze Werk. Bereits zu Beginn im “Prolog im Himmel” wird die Religion als Rahmen der Geschichte genannt.
Religion scheint für Fausts nichts Neues zu sein, schon von klein auf wuchs er in einer Familie auf, die christlich geprägt zu sein schien:
„Und doch an diesen Klang von Jugend auf gewöhnt,/ Ruft er auch jetzt zurück mich in das Leben.“ (V. 769f.)
Die “Gewöhnung” deutet an dieser Stelle auf eine nahe Religionspraxis hin, sodass Faust durchaus mit der Religion seit seiner Kindheit vertraut ist. Dennoch scheint Faust keine guten Erinnerungen oder Ansichten in der jetzigen Gefühlslage zu haben, da er eine gewisse Abneigung gegenüber den selben Klängen äußert, die ihn vor dem Tod bewahrt haben:
„Wenn aus dem schrecklichen Gewühle/ Ein süß bekannter Ton mich zog./ Den Rest von kindlichem Gefühle/ Mit Anklang froher Zeit betrog“ (V. 1583-1586).
Die “Gewöhnung” impliziert zwar, dass Fausts Familie die religiösen Praktiken vollzog, es beweist aber nicht, dass seine Familie unbedingt gläubig war. Sowohl zur Zeit der Entstehung des Buches als auch heute nimmt die Religion besonders im Bürgertum eine gesellschaftliche Verpflichtung ein und gilt als eine Art Orientierung der Norm- und Wertevorstellungen. Dabei ist der christliche Glaube aber nicht von essenzieller Bedeutung. Viel mehr ist die Religiosität als gesellschaftlicher Druck zu verstehen, die eine Gesellschaft nach ihren Normen und Werten prägt. Darunter zählen Feiertage wie Weihnachten oder Ostern, die sowohl heute als auch zu Goethes Zeit eine Rolle gespielt haben könnten.
Doch Fausts Verhältnis zur Religion scheint sich nicht grundlos gewandelt zu haben. Schon als kleiner Junge verfolgte er die religiösen Praktiken wie das Beten:
„Hier saß ich oft gedankenvoll allein/ Und quälte mich mit Beten und mit Fasten./ An Hoffnung reich, im Glauben fest,/ Mit Tränen, Seufzen, Händeringen/ Dacht ich das Ende jener Pest/ Vom Herrn des Himmels zu erzwingen.“ (V. 1024-1029)
In diesem Abschnitt erklärt Faust, dass er während der Zeit der Pest, als er seinem Vater geholfen hatte ein Heilmittel gegen die Pest zu finden, eher auf Gott als auf die Wissenschaft vertraute. Er wandte sich nicht an die Wissenschaft, sondern hoffte auf Gottes Hilfe. Daher ist davon auszugehen, dass er einst mehr zu Gott geneigt war, als zur Wissenschaft.
Dies ändert sich jedoch, als Faust beginnt Theologie zu studieren:
„Habe nun, ach! Philosophie,/ Juristerei und Medizin, Und leider auch Theologie!/ Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.“ (V. 354-356)
Ab diesem Punkt wird die Religion für ihn zu einem Studium und damit zu einer Wissenschaft. Die Mystik um die Religion geht damit verloren. Viel mehr wandelt Faust nun seine Meinung: