Kants vier Fragen · Grundfragen der Philosophie | Erklärung, Quelle


<aside> 💡 Die vier Fragen Kants sind auch die Grundfragen der existierenden Philosphie

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Sie lauten:

  1. Was kann ich wissen?
  2. Was soll ich tun?
  3. Was darf ich hoffen?
  4. Was ist der Mensch?

Die Fragen 1 bis 3 finden sich in der Kritik der reinen Vernunft wieder.

Wenn es um existenzielle Fragen der eigenen Lebensführung geht, lohnt sich eine Auseinandersetzung mit den Grundfragen der Philosophie. Die hat niemand Geringeres als Immanuel Kant in seltener Einfachheit und Klarheit formuliert. In diesem Beitrag behandeln wir Kants vier Fragen. Wo stehen sie geschrieben? Was sollen sie bedeuten? Wie können wir sie beantworten?

Quelle von Kants vier Fragen

Die ersten drei von Kants vier Fragen finden sich bereits in seiner Kritik der reinen Vernunft, erschienen in zwei Originalauflagen von 1781 (A) und 1787 (B) – u. a. hier erhältlich. Genauer unter: II. Transzendentale Methodenlehre, 2. Hauptstück. Der Kanon der reinen Vernunft, 2. Abschnitt. Von dem Ideal des höchsten Guts, als einem Bestimmungsgrunde des letzten Zwecks der reinen Vernunft (kurz: KrV, A 805/B 833). Dort schreibt Kant:

Alles Interesse meiner Vernunft (das spekulative sowohl, als das praktische) vereinigt sich in folgenden drei Fragen: 1. Was kann ich wissen? 2. Was soll ich tun? 3. Was darf ich hoffen?

Doch bereits seit 1765 hielt Kant regelmäßig Vorlesungen über Logik, deren Herausgabe in Form eines Handbuchs 1800 erfolgt, durch Gottlob Benjamin Jäsche. Dieser Text liegt auch dem neunten Band der Akademie-Ausgabe zugrunde. Kants vier Fragen finden sich im neunten Band dieser Ausgabe, erschienen bei Walter de Gruyter im Jahr 1968 – u. a. hier erhältlich. Genauer unter: III. Begriff von der Philosophie überhaupt, S. 21 ff. (kurz: Log, AA 9, 25). Dort schreibt Kant:

Das Feld der Philosophie […] lässt sich auf folgende Fragen bringen: 1) Was kann ich wissen? 2) Was soll ich thun? 3) Was darf ich hoffen? 4) Was ist der Mensch?

Eine dritte Stelle, die als Quelle zu nennen wäre, ist ein Brief vom 4. Mai 1793 an den Göttinger Theologie-Professor Carl Friedrich Stäudlin. Anlass ist die Übersendung der Schrift Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft. Auch in diesem Brief zählt Kant nochmal seine vier Fragen auf (siehe: RGV, AA 11, 429).

Kants vier Fragen im Detail

Was kann ich wissen?

Die erste Frage beantworte, so Kant, die Metaphysik. In seiner Kritik der reinen Vernunft fügt er hinzu, diese erste Frage sei »bloß spekulativ« und »alle mögliche Beantwortungen derselben erschöpft, und endlich diejenige [Antwort] gefunden, mit welcher sich die Vernunft […] befriedigen muß«. In Bezug auf das Wissen sei nämlich »wenigstens so viel sicher und ausgemacht, daß uns dieses […] niemals zu Teil werden könne.«

Heute würden wir die Frage Was kann ich wissen? weniger der Metaphysik, als vielmehr der Erkenntnistheorie zuordnen, als Teil der theoretischen Philosophie. Tiefergehende Fragen wären hier: Was sind Wahrheit und Wirklichkeit? Ist sichere Erkenntnis überhaupt möglich? Mit welchen Methoden gelange ich zu Erkenntnis? Welche Grenzen sind dem menschlichen Erkenntnisvermögen gesetzt? Was kann Wissenschaft demnach leisten?