Brief Nathanael an Lothar (Siehe die Analyse hier)
Seiten:Â 3â12
Zeit:Â Einige Tage nach dem 30. Oktober, Anfang November
Figuren:Â Nathanael, Lothar, Clara, Advokat Coppelius, Nathanaels Eltern
Inhalt:
Der Student Nathanael hat seine Heimatstadt in der Provinz, in der seine Mutter, sein Freund Lothar und dessen Schwester Clara, mit der er verlobt ist, wohnen, verlassen, um in der UniversitĂ€tsstadt G. Physik zu studieren. Er schreibt nach langer Zeit wieder an Lothar und entschuldigt sich zunĂ€chst fĂŒr die lange Funkstille. Er versichert ihn gleichzeitig, dass er alle drei sehr liebhat und dass er oft an sie und besonders an Clara denkt. Der Anlass seines Briefes an Lothar ist ein entsetzliches Erlebnis gewesen, das ihn völlig aus der Fassung gebracht hat und das er nicht mit seiner Mutter und auch noch nicht mit seiner Verlobten Clara teilen möchte, damit diese sich nicht unnötig Sorgen machen.
Auslöser fĂŒr Nathanaels Erregung ist der merkwĂŒrdige Besuch eines aufdringlichen WetterglashĂ€ndlers am 30. Oktober mittags um 12 Uhr in seinem Studentenzimmer, den er schlieĂlich unter Androhung von Gewalt erfolgreich vertreiben kann. Diese Begebenheit weckt in ihm prĂ€gende Kindheitserinnerungen, von welchen er nachfolgend ausfĂŒhrlich berichtet.
Als Nathanael noch ein Kind ist, ist das Familienleben am Abend durch GemĂŒtlichkeit geprĂ€gt, wenn alle um einen runden Tisch sitzen und den zahlreichen wunderbaren Geschichten des Vaters zuhören. Es gibt jedoch regelmĂ€Ăig auch Abende, an denen sich der am Tag oft abwesende Vater vom Essenstisch zurĂŒckzieht und an denen die Kinder um neun Uhr bereits vorzeitig ins Bett geschickt werden, was die Mutter damit begrĂŒndet, dass der Sandmann nun zu ihnen komme. Zur Schlafenszeit hört das trĂ€umerische Kind dann stets die Schritte des Sandmanns im Haus seiner Eltern. Auf seine Frage hin, wer der Sandmann denn sei, antwortete Nathanaels Mutter ihm einfach, dass dies nur bedeute, dass die Kinder so mĂŒde seien und ihnen die Augen beinahe zufielen, als hĂ€tte man Sand hineingestreut.
Eines Tages fragt der neugierige Nathanael die alte Kinderfrau seiner Schwester, wer der Sandmann sei. Sie erzĂ€hlt ihm eine andere, schauerliche Variante des Mythos: So sei der Sandmann eine böse Figur, der Kindern Sand in die Augen streue, bis diese zu bluten anfingen und herausfallen wĂŒrden. Die Augen wĂŒrde der Sandmann dann einsammeln und an seine Kinder verfĂŒttern. Diese schrecklichen Bilder setzen sich in Nathanaels kindlicher Vorstellung fest und lösen aus, dass er am Abend stets Angst hat, wenn er die Schritte auf der Treppe hört.
Als Nathanael Ă€lter wird, wird ihm bewusst, dass es den Sandmann nicht geben kann, er behĂ€lt ihn aber weiterhin im Hinterkopf und hört ihn auch weiterhin im Haus. Sein Wunsch, ihn zu sehen, wird mit der Zeit immer stĂ€rker und er entwickelt eine Faszination fĂŒr Fabelwesen.
Eines Tages beschlieĂt der circa zehnjĂ€hrige Knabe, sich deswegen im Studierzimmer seines Vaters zu verstecken, um die IdentitĂ€t des Sandmanns herauszufinden. Nathanael beschreibt die unangenehme und furchteinflöĂende Gestalt des Mannes, die er dann entdeckt und die mit seiner Vorstellung des bösen Sandmanns aus dem AmmenmĂ€rchen ĂŒbereinstimmt. Er stellt sich als der Advokat (Anwalt) Coppelius heraus.
An diesem Abend beobachtet Nathanael durch den Spalt eines Vorhangs, wie Coppelius und sein Vater mit seltsamen GerĂ€ten experimentieren und alchimistische Experimente durchfĂŒhren. Vor Schreck schreit er auf und wird entdeckt. Coppelius ergreift ihn und will ihm Sand in die Augen streuen, was der Vater verhindern kann. Stattdessen entfernt der Advokat HĂ€nde und FĂŒĂe von Nathanael und setzt sie willkĂŒrlich wie mechanische PuppengliedmaĂe an dessen Körper an. Dann fĂ€llt Nathanael in Ohnmacht und wacht dann in seinem Bett auf.
Nathanael wird mehrere Wochen vor Angst und Schrecken fiebrig krank. Er gesundet, nachdem der âSandmannâ Coppelius sich von diesem Tag an nicht mehr sehen lĂ€sst: Er hat angeblich die Stadt verlassen. Aber ein Jahr spĂ€ter besucht Coppelius die Familie erneut. Die Mutter schickt die Kinder wie frĂŒher um neun Uhr zu Bett und der Vater beteuert, es sei das letzte Mal, dass der Advokat in ihr Haus komme.
Nathanael kann in der Nacht nicht schlafen. Er wacht schlieĂlich um Mitternacht von einer Explosion auf und eilt ins Studienzimmer seines Vaters und findet diesen tot mit entstelltem Gesicht auf. Er ist sich sicher, dass Coppelius fĂŒr den Unfall verantwortlich ist. Die Explosion weckt die Nachbarn und nach dem alten Advokat wird nachfolgend gefahndet, er ist aber spurlos verschwunden.
Diese traumatischen Kindheitserfahrungen scheinen Nathanael nun genau jetzt einzuholen, denn in jenem WetterglashĂ€ndler, von dem Nathanael anfangs im Brief berichtete, meint der Student nun den Advokaten Coppelius wiedererkannt zu haben. Unter dem auffallend Ă€hnlichen Namen Guiseppe Coppola halte er sich jetzt in der Stadt auf, in welcher Nathanael studiere. Nathanael entschlieĂt sich, den Tod seines Vaters zu rĂ€chen.