In vielen seiner Texte setzt sich Hoffmann mit dem Wahnsinn auseinander und entwirft Figuren, die Realität und Fiktion nur schwer auseinanderhalten können. Auch im Leben des Autors gab es Phasen, in denen er befürchtete, wahnsinnig zu werden. Dies belegen einige seiner Tagebucheinträge. Hoffmann fühlte sich vom alltäglichen Leben gelangweilt und nutzte nicht selten den Alkohol als Türöffner zur Welt der Fantasie bzw. als Hilfsmittel im künstlerischen Schaffensprozess. Zuweilen trank er bis zur Besinnungslosigkeit, um gezielt wahnhafte und halluzinogene Zustände hervorzuführen.
Der Lebenswandel des Autors blieb auch seinen Kritikern nicht verborgen. Goethe vertrat die Meinung, Hoffmanns extravagante Erzählungen seien das Produkt eines Geisteskranken. Auch Eichendorff, Jean Paul und Heinrich Heine nahmen ihren Kollegen ganz ähnlich wahr. Das Bild vom psychisch kranken Hoffmann, dessen Werke Ausdruck einer geistigen Verwirrung seien, verbreitete sich im Laufe des 19. Jahrhunderts immer weiter.
Nathanael, der Protagonist aus dem »Sandmann«, lässt sich in vielerlei Hinsicht mit Hoffmann vergleichen. Auch er verfällt dem Wahnsinn, gerät in rauschhafte und psychotische Zustände und entfernt sich zunehmend von der Realität. Überdies betätigt sich Nathanael als Poet, der seine düsteren Gedanken in seinen Texten verarbeitet.
Nicht zuletzt durchleben sowohl der Autor als auch sein Held eine schwierige Kindheit. Hoffmanns Vater verlässt die Familie, als sein Sohn zwei Jahre alt ist. Da seine Mutter überdies unter Hysterie und nervöser Schwäche leidet, mangelt es Hoffmann an elterlicher Zuneigung. Nach der Trennung der Eltern zieht die Familie ins Haus der Großeltern. In unmittelbarer Nachbarschaft lebt die psychotische Mutter des späteren Schriftstellers Zacharias Werner, deren wahnhafte Schreie nicht zu überhören sind. Hoffmanns Kindheit ist demnach von einer unheimlichen und beängstigenden Atmosphäre geprägt.
Ähnlich geht es auch Nathanael, der nicht nur durch die gruseligen Geschichten vom Sandmann, sondern auch durch die alchemistischen Experimente des Vaters geängstigt wird. Überdies scheint seine Mutter ebenfalls psychisch labil zu sein. Mangelnde Zuneigung und Kommunikation innerhalb der Familie führen dazu, dass sich der Zehnjährige seine eigene Welt erschafft. Auch Nathanael muss schließlich ohne Vater aufwachsen, nachdem dieser bei einer Explosion ums Leben gekommen ist.