Seiten: 17-42
👥Personen: Nathanael, Lothar, Clara, Olimpia, Sigmund, Professor Spalanzani, Coppola, Coppelius
Inhalt:
Ein nicht weiter identifizierter Erzähler, der sich als Freund Lothars und Nathanaels (S. 17) und als Schriftsteller (S. 18) vorstellt, spricht direkt zum Leser. Er erläutert seine Faszination in Bezug auf das Seltsame an Nathanaels Geschichte und seinen schriftstellerischen Drang, die Geschichte möglichst packend zu erzählen. Da er aber nicht wisse, in welcher Form er sie erzählen solle (er verwirft als Beispiele das Märchen und die Novelle), habe er die Briefe, die ihm Lothar gegeben habe, als Einleitung vorangestellt und beginne nun selbst, über Nathanael zu berichten. Der Leser könne dann vielleicht selbst glauben, dass das echte Leben die wunderlichsten Geschichten erzähle.
Bevor er mit der Erzählung beginnt, will er zunächst ein paar notwendige Hintergrundinformationen liefern. Zunächst wird Clara ausführlich äußerlich mit Verweisen auf die Renaissancemalerei beschrieben, und zwar mit starkem Fokus darauf, wie sie auf Männer wirkt: Durchaus reizvoll, aber nicht wunderschön, und vor allem sehr sachlich, rational und nüchtern, was für den männlichen Betrachter ihre erotischen Reize mindert (und den Kontrast zur Beschreibung und Wirkung Olimpias später im Text unterstreicht). Zudem wird der familiäre Hintergrund von Nathanael, Clara und Lothar erläutert (S. 17-21), wobei Claras Liebe für Nathanael besonders geschildert wird.
Die Erzählung setzt wieder ein mit Nathanaels angekündigten Besuch bei Lothar und Clara. Nach seiner Ankunft verhält sich Nathanael ungewohnt. Er spricht davon, dass Coppelius das Böse repräsentiere. Es kommt zum Streit zwischen Clara und Nathanael. Sie fordert Nathanael dazu auf, nicht mehr so viel an den Sandmann zu denken. Nathanael kann Clara nicht davon überzeugen, dass das Böse real ist und nicht nur in seinem Inneren existiert.
Clara nimmt hierbei, wie in ihrem Brief, eine rationale Position ein, die psychologische Ursachen für das Böse sucht, während Nathanael sie als töricht verspottet und behauptet, dass nicht nur innere Prozesse auf Menschen einwirken, sondern auch äußere, höhere Prinzipien. Ein solches sei das Böse, das ihn in Form von Coppelius verfolge. Clara verurteilt dies als mystische Schwärmerei und zeigt gleichzeitig Verständnis für Nathanaels Vorstellungen: "Ja Nathanael! du hast recht, Coppelius ist ein böses feindliches Prinzip, er kann Entsetzliches wirken, wie eine teuflische Macht, die sichtbarlich in das Leben trat, aber nur dann, wenn du ihn nicht aus Sinn und Gedanken verbannst.“ (S. 22)
Nathanael hält Clara als Frau für nicht fähig, seine Gedanken zu verstehen. Die beiden entfremden sich immer weiter voneinander. Er verfasst schließlich ein Gedicht über seine Beziehung zu Clara und Coppelius. Im Gedicht werden beide am Traualtar von Coppelius heimgesucht, der Claras Augen berührt, die daraufhin (ähnlich dem Kindheitstraum) blutig herausspringen. Coppelius wirft ihn daraufhin in einen Feuerkreis, aus dem er zu fliehen versucht. Er hört Claras Stimme, die ihm sagt, dass es alles nur seine Einbildung sei. Doch als er der Stimme folgt, merkt er, dass nicht Clara, sondern der Tod ihn mit Claras Stimme gerufen hat.
Nathanael liest das Gedicht Clara vor. Dabei ist er so ergriffen, dass er weinen muss. Clara fordert ihn abermals dazu auf, das Thema endlich ruhen zu lassen. Nathanael ist bestürzt über ihre Reaktion und beschimpft sie als leblosen Automaten (vgl. Olimpia). Clara ist ihrerseits von seinem Unverständnis ihr gegenüber enttäuscht. Sie berichtet ihrem Bruder Lothar von dem Vorfall. Daraufhin kommt es zum Streit zwischen Nathanael und Lothar. Die beiden wollen sich am folgenden Tag duellieren. Kurz bevor es zum Duell kommt, verhindert Clara den Kampf. Alle drei versöhnen sich. Nathanael kehrt an seinen Studienort zurück (S. 21-26).
Bei seiner Ankunft in der Studienstadt erfährt Nathanael, dass das Haus, in dem er während des Studiums wohnt, abgebrannt ist (eine Parallele zu Coppelius‘ Experimenten mit Nathanaels Vater zu Beginn). Sein Besitz wurde aber gerettet und er bekommt ein Zimmer in einem anderen Haus. Von dort aus kann er in die Fenster des Hauses von Professor Spalanzani blicken. Er bemerkt dort dessen Tochter Olimpia, die stundenlang bewegungslos in einem der Zimmer sitzt, was ihn wundert. Er bewundert ihre Schönheit und ihre starre Statur, aber Olimpia ist ihm noch gleichgültig. Er trägt immer noch Clara in seinem Herz.
Daraufhin klopft der Wetterglashändler Coppola erneut bei Nathanael. Er will ihm zunächst Brillengläser verkaufen, was Nathanael entsetzt und er sieht kurzzeitig flammende Blicke. Er reißt sich jedoch zusammen und kauft schließlich ein Taschenfernglas. Damit kann er nun Olimpia beobachten. Ihre Augen scheinen zunächst tot und starr zu sein, aber je länger er hindurch sieht, desto lebendiger und schöner erscheinen sie ihm und er ist nun völlig fasziniert von ihr. In den folgenden Tagen versucht Nathanael, Olimpia erneut zu beobachten, jedoch sind nun Vorhänge vor das Fenster gezogen worden, hinter welchem er sie sonst sah. Überall, wo er hingeht, sieht er ihre schönen, funkelnden Augen. Nathanael ist verzweifelt, erfährt aber von seinem Studienfreund Sigmund von einem Ball im Hause Spalanzanis, bei dem der Professor Olimpia der Gesellschaft präsentieren will (S. 26-30).
Auf dem Ball des Professors begegnet er Olimpia. Sie spielt Klavier. Zunächst beobachtet er sie von Weitem, dann blickt er wieder durch sein Fernglas und merkt plötzlich, dass sie ihn verliebt ansieht. Später tanzt er mit ihr und sucht während der ganzen Veranstaltung ihre Nähe. Obwohl ihr Körper kalt ist, ist Nathanael von ihren Augen fasziniert. Die anderen Gäste scheinen über ihn zu lachen. Olimpia ist beim Tanzen wenig beweglich, aber Nathanael ist verzückt von ihr und küsst sie schließlich, wobei es ihm so vorkommt, als würden ihre kalten Lippen sich erwärmen.
Professor Spalanzani erweist sich als Einziger erfreut über das Interesse Nathanaels an seiner Tochter und lädt ihn in den kommenden Tagen wieder ein. Andere können nicht verstehen, was Nathanael an Olimpia findet, unter ihnen sein Studienfreund Siegmund, der Olimpia als mechanisch und unnatürlich charakterisiert. Nathanael aber hat sich in Olimpia verliebt. Er besucht sie nun regelmäßig und liest ihr vor. Ihm fällt ihre Wortkargheit zwar auf (sie sagt immer nur „Ach“), trotzdem ist er fasziniert von ihr und projiziert seine Idealvorstellung einer Frau in sie hinein. Vor allem schätzt er, dass sie, nicht wie Clara, ihn ständig herausfordert und hinterfragt, sondern still allem zuhört, was Nathanael ihr erzählt. Damit steigert sich seine Liebe zu ihr noch mehr und er vergisst Clara völlig(S. 30-36).
Bei einem erneuten Besuch eines Tages, an dem er um Olimpias Hand anhalten will, hört er allerdings Spalanzanis und Coppelius´ Stimmen, trifft dann aber in Spalanzanis Zimmer auf den Professor und Coppola, die sich um Olimpia streiten. Coppola entreißt sie gewaltsam dem Professor und verschwindet mit ihr. Nathanael sieht, dass Olimpia keine Augen mehr hat und begreift nun, dass sie eine leblose Puppe ist.
Der Professor, der bei der Auseinandersetzung mit Coppola verletzt wurde, bewirft Nathanael mit den Augen der mechanischen Puppe, an der er seit zwanzig Jahren gearbeitet hat, und fordert Nathanael auf, Coppola zu verfolgen, den er nun als Coppelius bezeichnet. Nathanael erleidet einen Wahnsinnsanfall und stürzt sich auf den Professor, den er beinahe erwürgt. Er wird jedoch von Siegmund und anderen Anwesenden überwältigt und in die Irrenanstalt gebracht.
Die Geschichte von dem Automaten, den Spalanzani erschaffen und als seine Tochter ausgegeben hat, verbreitet sich in der Stadt. Der Professor wird von der Universität entlassen. Coppola flieht aus der Stadt. Nathanael erwacht nach längerer Krankheit zu Hause und wird von seiner Familie freudig empfangen. Er ist scheinbar von seiner Paranoia geheilt und sieht ein, dass Clara die ganze Zeit Recht hatte und nur sein Bestes wollte (S.36-40).
Clara und Nathanael sind wieder glücklich und planen ihre Heirat und einen Umzug auf das Land, nachdem Nathanaels Mutter ein Gut unfern der Stadt mit dem Geld aus einer Erbschaft erworben hat. Bei einem Besuch in der Stadt steigen sie gemeinsam auf den Rathausturm. Clara zeigt auf einen grauen Busch in der Ferne, der sich auf sie zu bewegen scheint. Nathanael findet daraufhin Coppolas Fernglas in seiner Tasche. Als er dadurch Clara sieht, hält er sie plötzlich auch für eine Puppe. Er sieht alle seine Ängste bestätigt und verfällt völlig dem Wahnsinn. Er versucht, sie vom Turm zu stoßen. Lothar kann sie jedoch im letzten Moment retten und bringt sie hinunter.
Nathanael bleibt oben und glaubt, in dem Feuerkreis aus seinem Gedicht zu sein. In der unten stehenden Menschenmenge erkennt er den Advokaten Coppelius. Daraufhin schreit er „Ha! Sköne Oke - Sköne Oke!“ und stürzt sich vom Turm. Coppelius verschwindet und mehrere Jahre später hat jemand Clara in einer entfernten Gegend gesehen. Sie hat einen freundlichen Mann gefunden, ein schönes Haus und zwei lustige Söhne (S. 40-42).